1/02/2018

Leb wohl!





Heute habe ich dich wiedergesehen. In deinem Lieblingscoffee-Shop. Wie fast immer, wenn ich dort zufällig vorbeikomme. Lachend, mit deiner Frau und deinem besten Freund.
Früher wäre ich dazu gekommen, heute bin ich einfach weitergegangen. Es hat verdammt weh getan.
Du warst mal mein bester Freund. Wir haben zusammengearbeitet und dabei viel Zeit miteinander verbracht. Ich war auch mal sehr verliebt in dich. Aber das ging vorbei, die Freundschaft blieb. Es gab nichts, wirklich nichts, worüber wir nicht gesprochen haben. Politik, Geschichte, Filme, Literatur, Sex. Alles. Immer. Mit und ohne Alkohol.
Zu meiner Hochzeit bist du nicht gekommen, obwohl du mich sogar an die Einladung erinnert hast. Keine Absage, keine Karte. Dann habe ich erfahren, dass du geheiratet hast. Seitdem habe ich etliche SMS und Emails an dich geschrieben. Keine Reaktion. Ein gemeinsamer Freund meint, du hast deine Nummer nicht gewechselt. Du willst also keinen Kontakt mehr.
Kurz vor Weihnachten bis du an mir an meiner Familie vorbeigelaufen. Du hast mir kurz ins Gesicht geschaut und dich dann deiner Frau zugewandt und bist weitergegangen. Mitten im Wurst-Zuckerwatte-Noch-Ne-Runde-Karussell-Gemenge mit meinen Kindern konnte ich nicht wirklich reagieren. Habe erst auf dem Heimweg verstanden, dass du bewusst an mir vorbeigegangen bist.
Es ist in Ordnung, auch wenn es weh tut und für mich kein Grund ersichtlich ist. Wir sind keine Freunde mehr. Wir haben kein gemeinsames Leben mehr, nichts was uns verbindet. Ich bin nicht sauer, etwas traurig doch, weil
du dich nicht verabschiedet hast.

Leb wohl, alter Freund.  

Kommentare:

  1. Hallo Frau Lorber,

    anders als Liebesbeziehungen, die plötzlich und laut zerbrechen, gehen Freundschaften oft schleichend auseinander. Viele Fragen bleiben offen, derer wir uns schämen, sie laut zu stellen.
    Nach dem ich "Leb wohl" gelesen habe, musste ich gleich an einen Song von den Toten Hosen denken "All die ganzen Jahre".
    VG
    Herr Sondergeld :-)

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  2. Hallo Herr Sondergeld,

    leider ist das so...aber es tut nicht weniger weh!

    Herzlichst

    Frau Lorber

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