10/16/2014

Von Frau zu Frau

Ich habe heute frei und endlich mal wieder ganz alleine am Tisch gesessen und Zeitung gelesen. In der ZEIT ist ein Interview mit vier Karrierefrauen, das mir ziemlich zu denken gibt. Die vier gehören zu einem Netzwerk von Frauen die Karriere machen und Mütter sind. Sie sind ziemlich deutlich darin, dass sie den eingeschlagenen Weg für sich den richtigen finden und berichten, dass es auch für ihre Kinder so in Ordnung ist. Und das jede Frau sich und ihr Leben so optimieren kann, das alles zu schaffen: Karriere, glückliche Kinder, erfüllende Partnerschaft. Es muss nur die richtige Einstellung her. 
Ich halte nichts davon, Lebensentwürfe ab- oder aufzuwerten. Jeder soll sein Glück selbst suchen und finden. Ich finde es bewundernswert, dass diese vier Frauen so viel Kraft haben, anspruchsvolle Jobs zu machen, ihren Chefs klar zu machen, dass trotz allem die Kinder wichtig sind und ich glaube, dass sie viel dafür tun, dass in typischen Männerdomänen der Gedanke Einzug hält, das Arbeitgeber-Rücksicht auf Familienbedürfnisse sich langfristig auf die berufliche Motivation von Eltern auswirkt. Und ich halte viel davon, das Frauen sich vernetzen und sich gegenseitig unterstützen. 

Heute morgen in der Krippe kam mir eine Mutter, die letzte Woche ein Baby bekommen hat entgegen. Zwei Tage vor der Geburt wurde ihr Zuhause unbewohnbar. Nun ist die Familie mit drei Kindern und zwei Hunden bei Freunden untergeschlüpft. Die Mutter kümmert sich um die Kinder, der Vater schafft von früh bis spät auf der Baustelle, damit sie bald wieder nachhause können. Als ich ihr das Baby im Autositz zum Auto getragen habe, hat sie fast geweint, weil ich ihr einfach meine Hilfe aufgedrängt habe. Sie gibt sich in einer Zeit, in der sie umsorgt und verwöhnt werden sollten, die größe Mühe, tapfer zu sein. Stark zu sein. Ist streng zu sich. Wir kennen uns noch nicht so gut, doch ich bin mit dem Gefühl nachhause gefahren, dass ich irgendwas tun möchte, damit es ihr besser geht. Also hab ich mich an die Nähmaschine gesetzt, einen Wilkommensbeutel für das kleine Mädchen genäht und bei DM ein paar Dinge eingekauft, von denen ich hoffe, dass sie und ihre Familie damit ein paar leckere Momente haben. Heute mittag stelle ich ihr das Geschenk mit einem Kärtchen in das Fach ihres Krippenkindes.

Was hat das jetzt mit den Karrierefrauen aus der ZEIT zu tun? Mit diesen vier Frauen verbindet mich nicht viel, ich könnte es mir nicht vorstellen meine Kinder mit zehn Wochen in eine Krippe zu geben, damit ich wieder arbeiten gehen kann oder nur zwei Stunden am Abend Zeit für meine Familie zu haben, oder drei Tage die Woche in einem Hotel zu sein und nicht meine Kinder ins Bett bringen zu können. Aber ich bin ihnen dankbar dafür, das sie es tun. Und ich hoffe, dass sie dankbar dafür sind, dass ich mir die Zeit nehmen kann, weil ich eben einen anderen Lebensentwurf favorisiere, einer anderen Mutter in einer schwierigen Lebensphase mit einer kleinen Aufmerksamkeit meine Unterstützung zu zeigen. Nur so können wir Frauen doch das sein, was wir sein wollen. Wenn wir uns nicht gegenseitig bekriegen sondern erkennen, was die Andere für uns leistet.

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